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Unser Training hat begonnen


Nachdem wir in der Vorweihnachtszeit mit der schlechten Nachricht überrascht wurden, dass unser Projektdorf M´muock an das nationale Stromnetz angeschlossen wird, hatten wir große Zweifel, ob es uns möglich sein wird unserer Handwerkertraining erfolgreich durchzuführen.

Denn eines war sicher, in einem Dorf in dem unsere Handwerker mit dem Stromversorger AES Sonel preislich konkurrieren müssen, werden sie unweigerlich unterlegen sein.

Außerdem war es von Anfang an das Ziel unseres Projektes, ja sogar des ganzen Vereins, Menschen in nicht privilegierten Gebieten zu helfen. Ein Dorf, das an das Stromnetz angeschlossen ist, erfüllt dieses Kriterium nicht.

 

Wie wir nach Ndungweh kamen

Wie sollten wir innerhalb der verbleibenden acht Monate ein neues Dorf finden und dann auch noch ein viermonatiges erfolgreiches Training durchführen, wo doch die Vorbereitung für das jetzige Projekt schon fast 1,5 Jahre in Anspruch genommen hat?

Die Antwort lag bei unserem Partner Nkong Hilltop und unserem Projektassistenten Edwin.

Innerhalb eines Monats hat er über 30 Dörfer in Augenschein genommen, die für das Training in Frage kommen konnten. Natürlich sollte das Dorf nicht zu weit von M´muock entfernt liegen, da wir ja weiterhin dort arbeiten wollten. Aber es sollte keine Anzeichen dafür geben, dass das Dorf bald an das Stromnetz angeschlossen werden soll. Zuverlässigste Quelle dafür ist das so genannte Logbook. Dies ist ein Buch, in dem alle staatlichen Aktivitäten für das kommende Jahr für alle Gebiete und Dörfer niedergeschrieben werden. Eine längere Planungsphase gibt es in Kamerun nicht. Da aber auch das Logbook nicht sehr hilfreich sein kann (wir hatten es uns natürlich auch für M´muock vorher angeschaut, ohne dass was von Elektrifizierung erwähnt wurde) haben wir noch eigene Kriterien für die Auswahl benutzt:

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Das Dorf sollte klein und weit zerstreut sein. Da die Verlegung eines Kilometers Kabel ungefähr 10.000€ kostet, werden nur die Gebiete angeschlossen, in denen für wenig Aufwand viele Menschen erreicht werden. Weiter sollte das Dorf nicht zwischen zwei größeren Siedlungen liegen, da ansonsten vielleicht die beiden Städte miteinander verbunden werden und das Dorf so durch Zufall angeschlossen wird. Die Straßen sollten schlecht sein (ein Aspekt, den ich meist bereue, wenn ich nach 5 stündiger Hoppelfahrt dort ankomme) und im Dorf sollte es keine einflussreiche Person geben, die evtl. ein paar Hebel in Bewegung setzen könnte, damit das Dorf bald Strom bekommt. Und zuletzt musste es natürlich genug Wasser und/oder Wind für unsere Turbinen geben und Leute, die interessiert sind an unserem Training.

Gerade bei den letzten Kriterien ist es notwendig vor Ort das Dorf und die Menschen zu sehen. Dazu reiste Edwin wochenlang in die Lebialem Region um dort vor Ort Informationen zu sammeln.

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Als es eine Auswahl von einigen Dörfern gab, bin ich gemeinsam mit Edwin und Francis in die Region gereist um die örtlichen Standortverhältnisse zu begutachten. Francis ist unser lokaler Handwerker, der auch schon beim Aufbau der Demonstrationsturbinen in M´muock geholfen hat. Er wird mittlerweile ein richtiger Experte im Wasserläufe inspizieren und dem Bau von unseren kleinen Anlagen.

 

Wie ist Ndungweh

Es wurde schnell klar, dass Ndungweh unser neues Projektdorf werden wird. Das Dorf liegt 25km südlich von Menji, der Provinzhauptstadt am östlichen Rand der Südwestprovinz. Von Dschang, der größten Stadt in der Region zu der auch geteerte Straßen gibt, sind es etwa 1,5 Stunden mit dem Geländewagen. Das Dorf liegt verschlafen im bergigen kamerunschen Busch. Es gibt ungefähr 50 Höfe, in denen schätzungsweise 500 Menschen wohnen. Im Gegensatz zu M´muock ist die Haupteinannahmequelle (cash crop) Kaffee, so dass der Regenwald nicht vollständig abgeholzt wurde. Der Kaffee benötigt nämlich Schatten und wächst am besten in dieser bergigen Umgebung. Das Dorf liegt nicht ganz so hoch wie M´muock, daher ziehen jeden Nachmittag Wolken auf und es regnet viel. Während der Kaffeeblüte duftet der ganze Wald lieblich nach Blüten (Blumenduft ist komischerweise nicht sehr häufig in Kamerun anzutreffen).

 

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Die Leute sind sehr nett und bescheiden. Der Chief hat uns herzlich in seinem Hof aufgenommen, den er auch selbst mit fließendem Wasser ausgestattet hat. Da das Einkommen nur vom Kaffeeweltmarktpreis abhängt und es auch keine anderen Annehmlichkeiten im Dorf gibt, zieht es viele junge Menschen in die Stadt, wo sie sich meist mit kleinen Arbeiten über Wasser halten. Ein Umstand den wir hoffen, durch unser Training und dem darauf zur Verfügung stehendem Strom ändern zu können.

Ndungweh hat noch sehr viele Wasserquellen, die auch in der Trockenzeit nicht austrocknen.

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Das liegt vor allem daran, dass der Wald nicht abgeholzt wurde und während der Trockenzeit nicht das ganze Wasser für die Landwirtschaft verwendet wird. Leider gibt es aber keine Möglichkeit Windenergie zu nutzen.

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Im Gegensatz zu den Menschen in M´muock sind die Leute aus Ndungweh ärmer, da sie für den ausländischen Kaffeemarkt produzieren. Trotzdem konnte Edwin während den vielen Treffen mit der Bevölkerung, in denen Ihnen unser Projekt vorgestellt wurde, acht Handwerker für das Training gewinnen.

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Die Handwerker

Natürlich war das größte Problem für die Handwerker, wie sie das Geld für das Material aufbringen können. Ein Umstand, der uns natürlich immer sehr weh tut, aber unserer Meinung nach absolut notwendig ist, wenn man ein erfolgreiches Training haben will. Edwin konnte aber dieses Problem auch lösen, in dem er sich mit jedem Handwerker zusammen setzte und ihm die Wichtigkeit seines eigenen Beitrags erklärte. Durch einen glücklichen Umstand konnten die Dorfbewohner einen reichen Exilkameruner finden, der sie nun teilweise finanziell unterstützt. Dies ist zwar nicht im kompletten Sinne unserer Projektidee, erhöht aber den sozialen Druck der Handwerker, die am Training teilnehmen. Generell habe ich mich bisher wenig in die Organisation des Trainings eingemischt. Es ist eine rein kamerunsche Angelegenheit, die Edwin ganz in unserem Sinne meistert. Schließlich soll es ja auch mal ohne uns klappen.

 

Der Beginn des Trainings

Am letzten Montag ging es dann endlich los. Edwin eröffnete das erste Training mit dem üblichen Gebet und begrüßte die fünf tatsächlich anwesenden Handwerker.

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Zu erst wurden die Regeln für das Training geklärt und nochmals das Ziel des Projektes erörtert. Natürlich gab es wieder eine große Diskussion wegen der Finanzierung des Materials. Ein Umstand, der durch meine Anwesenheit als weißer Mann erklärt werden kann. Schließlich bringen alle anderen Organisationen meistens nur Geld. Wir aber wollen die Menschen ausbilden, wie sie mit ihren vorhandenen Ressourcen ein nachhaltiges Unterfangen beginnen können. Andere Projekte in erneuerbaren Energien werden in Kamerun meist vom Ausland finanziert. So bekommt ein Dorf in der Nähe ein größeres Wasserkraftwerk. Die kamerunsche Organisation, die von einer kirchlichen deutschen Organisation unterstützt wird, hat bereits ein anderes Wasserkraftwerk vor Ort gebaut. Von diesem haben wir erfahren, dass das Kraftwerk in das Eigentum der Gemeinschaft übergegangen ist, der angestellte Betreiber aber den Strom nicht verteilt hat, sondern ihn für sein eigenes Unternehmen verwendet hat. Eine leider typische Situation für Projekte, in denen der Gemeinschaft ein komplettes Projekt finanziert und übergeben wird. Bei uns sollen die Leute selbst die Anlagen bauen, und können dann selbst entscheiden, was sie mit ihnen und dem Strom machen. Die Handwerker einigten sich darauf, dass insgesamt drei Turbinen gebaut werden sollen. Die Handwerker, die im Anschluss die Turbine nutzen möchten, zahlen die beteiligten Handwerker aus, damit diese die Mittel haben ihre eigene Anlage beginnen zu können.

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Nachdem das geklärt war, haben wir gemeinsam den Ablauf des Trainings, das etwa 100 Stunden dauern soll besprochen. Da wir Rücksicht auf die landwirtschaftlichen Tätigkeiten der Handwerker nehmen wollen, wird das Training auf die Abendstunden gelegt. Von Montag bis Donnerstag werden wir jeweils von 15 bis 19 Uhr gemeinsam an den Turbinen arbeiten. Dann folgt eine Woche ohne Training, in der die Handwerker selbst arbeiten und ihr Wissen vertiefen können.

 

Schließlich übergab Edwin Francis und mir die Leitung. Zusammen erklärten wir den Aufbau einer Wasserturbine. Francis, der aus der Region stammt unterstützt mich immer, wenn es aufgrund der Kommunikationsprobleme notwendig ist in den lokalen Dialekt zu wechseln.

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Anschließend wollten die Handwerker wissen, welche Geräte sie mit den Wasserturbinen betreiben können. Dazu habe ich ihnen das Prinzip von elektrischer Leistung und Stromverbrauch (Watt und Wattstunden) näher erläutern und ihnen versucht das Prinzip bildlich mit einem Wassertank und verschieden dicke Rohre zu erklären. An verschiedenen Lampen und Geräte zeigte ich Ihnen, wie man deren  Leistung abliest und dann bestimmt wie viel Energie sie in einer Stunde benötigen.

 

Da wir auch während unserem Workshop Strom aus unseren Batterien benutzen und damit Lampen und Ladegeräte betreiben, haben wir eine Tabelle entworfen, in der wir nach jeder Trainingseinheit unseren Stromverbrauch eintragen.

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So sollen die Handwerker an das Rechnen mit Stromeinheiten gewöhnt werden. Gerade bei den theoretischen Teilen der Ausbildung zeigt sich die geringe Bildung der Dorfbewohner, die meist nur die Grundschule abgeschlossen haben. Ständige Wiederholungen, Übungen und einfache Erklärungen sollen hier das Defizit schmälern.

 

Zum Abschluss des ersten Tages haben wir die Handwerker auf ein gemeinsames Bier eingeladen um sie besser kennen zu lernen

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Von links: Cosmas, Bernard, Joseph und der Chief

 

Der Chief

Ist der größte Befürworter unseres Projektes. Er ist ein pensionierter Soldat, der nun in seinem Heimatdorf Ndungweh seinen Lebensabend mit Landwirtschaft verbringt. Er hat sehr viele Idee und kann für die Nutzung der erneuerbaren Energien begeistert werden. Es benötigt ein paar Widerholungen, damit er auch immer versteht, was und vor allem warum er etwas machen soll.

(chief ist auf dem Bild links)   dsci0057.JPG  

 

Bernard

Ist einer der größten Kaffeebauern im Dorf. Er ist auch der älteste Teilnehmer. Er hat die finanziellen Mittel für eine eigene Anlage, aber sein technisches Verständnis ist eher unterdurchschnittlich. Trotzdem ist er Willens das Training erfolgreich zu absolvieren und legt auch gerne selbst Hand an. Er ist der direkte Nachbar des Chiefs und weiß schon, wo er seine Turbine errichten möchte.

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Joseph

Besitzt auch eine große Farm. Des Weiteren ist er der Dorfschmied, der landwirtschaftliche Werkzeuge aber auch einfach Gewehre baut. In seiner Werkstatt gibt es ausreichend Werkzeuge, die man für den Bau der Turbinen benötigt. Er hat das meiste technicshe Verständnis und die Metallbearbeitung geht ihm einfach von der Hand. Nur an der Präzision der Ergebnisse mangelnd es auch bei ihm.

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Cosmas

Der einzige jugendliche Teilnehmer ist Cosmas. Er hat das anfängliche Geld von seinen Eltern erhalten. Derzeit besucht er keine Schule. Als Grund gibt er die mangelnden finanziellen Möglichkeiten an. Ob dies aber tatsächlich so ist, bleibt fraglich. Es ist nichts ungewöhnliches, dass Schüler die Schule vor erreichen eines Abschlusses abbrechen.

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Der Principal

Hätte sowohl die finanziellen Ressourcen als auch das technische Verständnis gehabt. Leider erscheint ihm das Training zu aufwendig, so dass er am zweiten Tag per Brief aus dem Training ausgetreten ist

 

Richard

Ist der verbleibende fünfte Handwerker. Aufgrund familiärer Gründe wird er aber erst bei der zweiten Trainingseinheit anwesend sein.

 

Insgesamt ist die Gruppe ein sehr gutes Spiegelbild der typischen ländlichen Bewohner der Süd West Provinz. Es bleibt abzuwarten, wer in diesem Training erfolgreich das Ende erreichen wird und sein eigenes Geschäft gründen wird.

 

 

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Am nächsten Tag besprachen wir zuerst die Vorraussetzungen (Höhe und Wasserdurchfluss) des Wasserlaufes damit eine unserer Turbinen arbeiten kann. Als erste eigenständige Aufgabe bis zur nächsten Training  seinheit sollen die Handwerker ihre eigenen Standorte suchen und erste Messungen durchführen.

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Da das ganze nicht Theorie bleiben sollte sind wir anschließend zu dem nahe gelegenen Wasserlauf gegangen und haben mit Wasserwaage, Schlauch und Eimer, die Höhe und die Wassermenge bestimmt. Hoffentlich haben nicht nur alle genickt, als ich sie zum Schluss fragte, ob sie denn alles verstanden hätten.

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Zum Abschluss haben wir die notwendigen Materialen und die Werkzeuge für das Training vorgestellt.

 

 

Der nächste Tag war im Zeichen der Lichtmaschine und ersten Übungen. Gemeinsam mit den Handwerkern haben wir mehrere Lichtmaschinen zerlegt und wieder zusammengesetzt. Dies ist zwar nicht ein notwendiger Schritt, trägt aber zum Verständnis der Generatorentechnik bei.

 

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Vor allem beim Kauf der Lichtmaschinen kann ihnen das behilflich sein, da schon einfache Test auf eine gute oder schlechte Maschine schließen lässt. Dann begannen wir mit einfachen Sägearbeiten und bereiteten die Scheiben für die Turbine vor.

 

Es hat sehr viel Spaß gemacht mit den Leuten zu arbeiten und ich freue mich schon auf nächsten Montag, wenn es weitergehen wird. Dann werde ich auch in mein kleines Zimmer im Gemeindehaus von Ndungweh auf dem Palastgelände des Chiefs ziehen.

 

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Viele Grüße

 

                        Johannes

 

 

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